Kontakt: Akademie Schloß Solitude, Solitude 3, D-70194 Stuttgart. E-Mail: mail@akademie-solitude.de
24.–26. September 2004, Akademie Schloß Solitude, Stuttgart
Planung und Leitung: Claus-Steffen Mahnkopf
Sprachen: deutsch, englisch
Das Symposium hat zum Ziel, der Frage nachzugehen, was "kritisches Komponieren" bedeute, was es heute bedeute und ob bzw. wie es heute möglich sei. Unter kritischem Komponieren wird die Generation zwischen Nono und Klaus Huber auf der einen Seite und Mathias Spahlinger auf der anderen bezeichnet, die also auch Lachenmann, Nicolaus A. Huber, Vinko Globokar und andere umfaßt. Diesen kompositorischen Ansätzen ist zweierlei gemeinsam:
a) ein politisch links angesiedeltes Grundverständnis gegenüber der eigenen gesellschaftlichen Position, die zu einem dezidiert politischen Engagement führen kann, und
b) die Überzeugung, daß der Umgang mit dem musikalischen Material "kritisch" ausgerichtet sein müsse, etwa als Kritik am "ästhetischen Apparat" (Lachenmann), als "Arbeit am Mythos" (Nicolaus A. Huber) oder als "Reflexion der Konventionen" (Spahlinger).
Diese Positionen haben inzwischen ein erstaunliches Ansehen erlangt. In nicht unrepräsentativen Gesamtdarstellungen zur neuen Musik werden diese mit der Avantgarde, der >eigentlichen< neuen Musik identifiziert. Dieser prominente Platz sei – mit einiger Sympathie – problematisiert, auch im Blick auf die rapiden gesellschaftlichen Veränderungen seit den späten 80er Jahren und das >Konkurrenzunternehmen< Postmoderne, das der jüngeren und mittleren Generation scheinbar den Zugang zu einem "kritischen" Komponieren verwehrt. Grundsätzlicher ist zu fragen, wie ein kritisches, ein gesellschaftskritisches, ein politisch sensibles Komponieren überhaupt möglich sei, wenn es nicht in Orthodoxie, Sturheit, Engstirnigkeit enden will, mithin wie eine kosmopolitische, universale und plurale Ausrichtung möglich sei, eine Einstellung zur prinzipiellen Offenheit, ohne daß diese im Unverbindlichen oder in der Verweigerung von Verantwortung endet. Somit geht es darum, die Geschichte gewordene kritische "Erste Moderne" aufzuarbeiten und ihr Anliegen auf dem heutigen Stand zu reflektieren – und dies in enger Abstimmung mit einer soziologischen und philosophischen Analyse, die vor allzu starkem Wunschdenken seitens der Künstler schützen soll. Das Thema wird behandelt von Komponisten, Musikwissenschaftlern, Soziologen und Philosophen. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist – auf englischer Sprache – in der Reihe "New Music and Aesthetics in the 21st Century" vorgesehen.
Begrüßung: Jean-Baptiste Joly/Claus-Steffen Mahnkopf
Rainer Nonnenmann: Kritisches Komponieren: ein historisches Phänomen?
Harry Lehmann: Kritische Kunst heute
Dieter Mersch: Mediale Paradoxa. Zu Verfahrensweisen künstlerischer Produktion
Gerhard Stäbler: Geschärfte Sinne? Offen. Verantworlich. Herausfordernd. Komponieren jetzt
Günter Mayer: Avanciertes Komponieren und politischer Anspruch. Tendenzen in der DDR
– und nach 1990?
Ernst-Helmuth Flammer: Kritik der musica negativa
Claus-Steffen Mahnkopf: Woran erkennt man "kritische" Musik?
Frank Cox: Between Primal Self-Assertion and Monadic Indifference
Klaus Huber: Resistenza als die einzig authentische Alternative
Nicola Sani: Das kritische Denken der neuen italienischen Musik zwischen politischem Engagement und Globalisierung
Ferdinand Zehentreiter: Sinnliche Erkenntnis als autonome Form der Kritik
Abschlußdiskussion
Kontakt: Akademie Schloß Solitude, Solitude 3, D-70194 Stuttgart. E-Mail: mail@akademie-solitude.de